2. Ansitz 2010

 Langer See 28.05.2010 / 23.00 Uhr bis 30.05.2010 / 14.00 Uhr

Frank wollte sich mal an diesem See probieren. Ich folgte ihm, um nicht wie die Jahre zuvor, immer allein angeln zu müssen.
Als ich nach Arbeit bei ihm eintraf, hatte er schon eine Nacht hinter sich. Leider konnte er in dieser nichts haken. Zu meinem Erstaunen stand neben Franks Zelt, ein zweites. Es gehörte einem Jungangler. Ich baute von den beiden, 20m rechts daneben, mein Chub Cyfish MK2 2Mann Bivvy auf. Diesmal mit dem externen Überwurf von Dave Lane, der eigentlich auf ein 2Mann JRC Zelt gehörte. Aber das passte, wie die Faust aufs Auge. Für diesen Ansitz hatte ich die misslungenen Boilies des ersten, durch den Fleischwolf gedreht und so gestreckt, dass diese nicht mehr schwammen. Als meine Ruten am Schilf des anderen Ufers ausgelegt waren, konnte nun endlich Ruhe einkehren. Die Nacht verlief ruhig. Am nächsten Morgen ging ich gleich zu Frank rüber und wollte wissen ob er vielleicht eine Aktion hatte. Nichts, auch bei ihm. Er zeigte mir eine einzeln stehende Rotkappe. Ende Mai und schon Pilze? Kein Wunder



eigentlich, denn der Mai war kühl und verregnet. Man hätte ja auch denken können es ist schon Oktober. Gegen Mittag kam die Mutter des Junganglers, Johannis, um die Kurve mit selbst
gemachten Salat. Wir vier ließen es uns schmecken und redeten noch eine Weile über dies und das. Um 16 Uhr wollte ich noch mal schnell mein Schlafdefizit mit einem kurzen Abruhen auf meiner Liege aufbessern. Pustekuchen! Ich schlief fest ein bis der Wecker, in diesem Falle einer meiner Bissanzeiger, mich weckte. 19.15Uhr. Halb duselig taumelte ich zur Rute und nahm an. Der Fisch war rund eine halbe Minute frei und dann ins Schilf gerammelt. Da blieb mir nichts übrig und setzte den Drill im Boot fort. Auf der anderen Seite angekommen sah es nicht gut aus. Der Karpfen war tief im Schilf und saß fest. Ich versuchte einige Techniken, aber bekam ihn so nicht frei. Also griff ich in die Schlagschnur und zog. Ich sah schon das Blei taumeln. Mist, nach dem Blei müsste doch der Fisch kommen. „Den habe ich verloren“, dachte ich mir so. Auf einmal rutschte das Blei, auf der Schnur nach unten in Richtung Haken. „Er ist vielleicht noch dran“, schoss es mir durch den Kopf. Ich zog noch etwas mehr an der Schlagschnur. Auf einmal kam der Spiegler in Sichtweite. Noch zwischen dem Unterwasser stehenden Schilf, kämpfte er wie wild um sich zu befreien. Nun streckte ich meinen 50 Zoll Kescher dem Fisch entgegen. Ich merkte schnell, dass diese Größe für solche Hindernisse nicht geeignet schien. Ich stocherte gezielt im Schilf herum und siehe da, der Spiegler war gekeschert. Ich legte ihn behutsam auf der Abhakmatte im Boot ab und fuhr so schnell wie möglich zurück ans Ufer. 7kg bei 74cm Länge konnte ich mir in mein Fangbuch eintragen. Das Licht fürs Foto kam wie



bestellt. Danach glitt er sanft aus dem Wiegesack zurück ins Wasser. Ich war froh, diesen Karpfen überhaupt gefangen zu haben. Denn erstens, hätte ich ihn schon im Schilf verlieren können und zum zweiten, wurde der Fisch außen, oberhalb des Mauls gehakt. Die ganze Aktion hatte auch was gutes, denn ich war nun wieder wach. Ich bereitete wieder alles für einen neuen Run vor und ging anschließend rüber zu Frank. Es war Abendbrot Zeit. Es gab wieder leckeren Salat, mit gebratenen Würsten. Irgendwann mussten Johannis und Mutter weg und so blieben Frank und meine Wenigkeit zurück. Mit Frank saß ich noch eine Weile vor seinem Zelt, bis es schon dunkel wurde. Plötzlich gab ein EOS Fallbissalarm. Frank zu seiner Rute und schlug gleich zweimal an um den Fisch sicher zu haken. Ich sagte zu Frank, „Bestimmt ein Graser!“. Er verneinte nur und war der festen Überzeugung, dass es sich hierbei um einen Satzkarpfen handeln musste. Nach nur kurzem Drill lag der Fisch im Kescher. Als Frank diesen zur Abhakmatte beförderte, wurde dem Graser erst bewusst, dass er gefangen war und zappelte wie blöd herum. „Einen komischen Satzkarpfen



hast du da im Kescher“, sagte ich. Frank griente bloß. 12kg und 84cm. Der Fisch ging wieder zurück und ich wollte nun auch nur noch auf meine Liege da es doch schon sehr spät war. Ich schaltete die Kopflampe an und ging in Richtung meines Zeltes. Ich vernahm noch die Ankunft von Johannis, denn die Autotür wurde unsanft zuschlagen. Mich schauten plötzlich zwei grüne Augen an und blieb erschrocken stehen. Nur 5Meter von mir weg stand ein Tier. Wer bist du denn? Nach kurzer Zeit sah ich, dass es sich hierbei um einen ausgewachsenen Fuchs handeln musste. Ich wollte ihn aus nächster Nähe beobachten und warf ein Paar Boilies direkt vor mein Bivvy. Da meine Zeltfront mit einer Panorama Fliegengage ausgerüstet war, musste ich ihn in voller Größe und Schönheit zu sehen bekommen. Leider wurde
daraus nichts mehr. Als ich auf meiner Liege platz genommen hatte, wurde ich innerhalb der nächsten fünf Minuten vom Schlaf überwältigt. Als ich am nächsten Morgen wach wurde, waren die selbst gedrehten Boilies natürlich weg. Aber der Fuchs war wahrscheinlich auf den Geschmack gekommen. Da Frank seine gefüllten Boilie Eimer außerhalb seines Zeltes aufbewahrte, bekamen sie seltsamer Weise Beine und er hatte große Mühe, diese nachts im Wald wieder zu finden. Er hatte bloß Glück gehabt, dass sich diese bei der Aktion nicht öffneten. An Land fanden die Boilies regen Zuspruch aber im Wasser leider nicht. Bei einer Tasse Cappuccino kam heraus, dass Johannis einen Aal und einen Zander gefangen hatte. Na wenigstens ein glücklicher Fänger. Ich fing schon vormittags mit dem Einpacken an. Es sah stark nach regen aus und ich wollte diesmal mein Zelt trocken verpacken. Frank hatte sich noch eine weitere Nacht vorgenommen. Mit dem Wetter hatte ich dann doch Glück gehabt. Fast alles im Auto und dann kam erst die Schüttung von oben. Um 14 Uhr nahm ich die letzte Rute aus dem Wasser und hatte wieder was gelernt. Füttere nie wilde Tiere!



Euer Köcki