7. Ansitz 2008

Baggersee 12.11.2008 / 0.00Uhr bis 14.11.2008 / 17.00 Uhr

Für diesen Ansitz stellte ich wieder frische Boilies her. Anstatt die Köder zu kochen versuchte ich diese diesmal zu dünsten. Der Unterschied zu den zuletzt hergestellten Boilies war gewaltig. Nach dem dünsten rochen sie noch herrlich und wurden genau so fest wie nach einem Kochvorgang. Auch zeit mäßig ließ ich es sehr ruhig angehen. Statt gleich nach der Arbeit loszupreschen fuhr ich gemächlich nach Hause. Noch mal gut gegessen, geduscht und in aller Ruhe die sieben Sachen verstaut. Der Grund hierfür war mein Feierabend. Um 16.30Uhr war es schon fast dunkel. Also konnte ich mich beeilen oder nicht, ich würde sowieso wieder im finstern aufbauen müssen. Um 23Uhr erreichte ich am Gewässer, die bevorzugte Angelstelle. Die Wassertemperatur lag noch bei 9Grad. Um 0Uhr waren meine Ruten scharf und ich zog mich nach einem arbeitsreichen Tag zurück. Beim einschlummern hoffte ich wenigstens einen Karpfen zu fangen, denn ich hatte bis dahin noch keinen „Novemberkarpfen“ überlisten können. Außerdem hatte ich diese Saison nur einen Graser und einen Spiegler gefangen und sonst nichts. Also auf den frühen Morgen hoffen. Ich schlief ein. Um 7.30 Uhr wollte ich den Wecker schon ausdrücken als ich erstaunt feststellte, dass mein rechter Delkim sich lautstark meldete. Ich wollte es gar nicht glauben, mein erster Novemberkarpfen stand an. Rechte Hand an die Outcast, linke Hand auf die Ultegra Spule, abhieb! „Der hängt“, dachte ich mir und begann mit dem Drill. Die Außentemperatur lag bei -2C°.  Die Hände wurden dadurch schnell kalt. Trotzdem spürte ich den großen Widerstand am Ende der Sehne. „Der ist gut“, dachte ich mir. Nach 10 Minuten hatte ich ihn im Kescher.



Schnell den Gliedermaßstab an den Fisch gehalten, 87cm und was sagt die Waage, 13,1kg. Na mit dem Ergebnis war ich doch schon voll zufrieden. Ich sackte den Fisch erst mal. Die ermittelten Ergebnisse wurden sofort notiert und ehe ich den Kuli aus der Hand legen konnte fing der linke Delkim an, aktiv zu werden. Es war 7.55 Uhr als ich den Anhieb setzte. „Wow, was für ein Ansitz“, schoss es mir durch den Kopf. Der anfängliche Widerstand ließ wieder auf einen guten Fang hoffen. Als er im Kescher lag, sah ich einen kurzen, dicken und gleichzeitig schönen Karpfen.



12kg bei 82cm konnte ich mir notieren. Ich sackte auch diesen und hoffte nur, dass jemand kommt um mir diese schönen Fische auch fachgerecht zu fotografieren. Die Ruten bestückte ich wieder mit meinen Boilies. Bis zum Mittag passierte nichts mehr und ich konnte mich dem Mittagsmahl widmen. Aber als ich so unentschlossen im Topf rumkratzte lief die rechte Rute. Diesmal hatte ich überhaupt keine Mühe den Fisch zu landen. 77cm lang war der Spiegelkarpfen und „nur“ 8,5kg schwer. Damit kam er sofort wieder ins Wasser und ich konnte weiter schlemmen. Gegen 13 Uhr kamen dann glücklicherweise zwei Karpfenangler an meine Angelstelle. Die selber angeln wollten und mir die guten Fotos von den Früh gefangenen Fischen machen konnten. Sie ließen sich dann rund 100m links von mir nieder und bauten auf. Ich ruhte mich noch etwas aus und 14.30Uhr knallte es schon wieder auf meiner rechten Rute. Der Drill war ein Hammer. Der Fisch wollte nun gar nicht in den Kescher. Flucht nach rechts, Flucht nach links und nun wieder alles von vorn. Die „Outcast“ konnte nun zeigen was in ihr steckt. Aber wie das so ist, wird der kräftigste Fisch auch schon mal müde. Kescher drunter und staunen. Ein kräftiger Schuppi schaut mich an. Ich staune nicht schlecht als ich bemerke, dass es sich hierbei um einen zweifarbigen Schuppenkarpfen handelt. Die beiden Karpfenangler erscheinen und wir können das Prachtexemplar sofort ablichten. Der Fisch hatte ein



Gewicht von 13,3kg bei 86cm Länge. Ein schöner Brocken! Vorsichtig setzte ich ihn dann zurück und hoffe nun, ihn vielleicht noch einmal zu einem späteren Zeitpunkt fangen zu können. Ich verschwand anschließend im „Groundhog“ und wärmte mich an der Zeltheizung die während meines Ansitzes nie ausging. Mit dem dunkel werden und einer Tasse Kaffee in der Hand sah ich die rechte, blaue Diode meines Delkim Bissanzeigers anspringen. 5 Minuten nach 17Uhr las ich ab. Ein schöner, aber nicht all zu großer



Spiegler hing am Haken. Die Fox Waage zeigte mir 11,4kg an. Die Länge dieses Fisches, 84cm. Nicht so Fett wie die Vorgänger, dafür aber lang mit einer schönen Färbung. Nach den Fotos ging es sofort wieder ins nasse Element. Die Rute bestückte ich mit einem neuen Boilie und verschwand unter meiner Decke. Ich wollte und konnte es einfach nicht fassen. Das Angeljahr total versaut und dann im November noch mal so ein Ansitz. Mit solchen Gedanken fielen mir die Augen zu. Um 23.20 Uhr wurde ich aus allen Träumen gerissen. Ein kleiner Karpfen von 9kg und 70cm hatte mich geweckt. Als er im Wasser verschwand, verschwand auch ich, nach dem ausbringen der Rute natürlich, wieder unter meiner Decke. Als ich wach wurde staunte ich bloß, dass ich nicht von einem meiner Delkims geweckt worden bin. Mit einem Käffchen bewaffnet, trat ich vor das Zelt um die Wetterlage zu checken. Neblig, -4C°. Meine Abhakmatte steif wie ein Surfbrett. Ich musste aber nicht lange warten bis sich wieder was an der rechten Rute tat. Um 8.15 Uhr ging es erneut ab. Doch bald schon Ernüchterung. Wieder nur ein kleiner, 8,2kg bei 72cm. Sollte das nun die Regel werden? Ich war mir sicher, dass nach mehreren kleinen wieder ein großer kommen würde. Also Ball flach halten und auf die Dinge warten die noch kommen würden. Ich immer mit einem Auge auf die Beißzeiten des Vortages wartete gespannt auf die nächste Aktion. Eigentlich zwischen 12 und 15Uhr. Nichts passierte. Nun als nächstes die Dämmerung. Und siehe da, ein Biss. 17.05Uhr pünktlich auf die Minute der Run. Als ich mich auf den Weg zur Rute mache, sehe ich einen der benachbarten Karpfenangler der sich in meine Richtung in Bewegung setzt. Bloß gut, denn nur 2 Minuten später läuft auch noch die linke Rute. Ich bat ihn den Fisch anzunehmen. Ich drillte schnell einen 8kg Fisch mit 72cm aus dem Gewässer und übernahm dann den Fisch der linken Rute. Zwischenzeitlich wurde mir mitgeteilt das der Fisch ein „guter“ sein müsste. Ich konnte den Eindruck nur teilen. Und nach etlichen Fluchten konnte auch dieser Fisch sicher gelandet werden. Mittlerweile hatte sich auch der zweite Angler der Nachbarstelle eingefunden. 6 Augen starrten nun in den Kescher. 30 plus?? Das Rätselraten begann. Die Waage



zeigte aber unmissverständlich 14,3kg. Ein geiler Spiegler mit 90cm lag vor uns auf der Matte. Noch ein paar Fotos und schon durfte er wieder schwimmen. Ich konnte das Glück immer noch nicht fassen und konnte auch nicht schlafen. Besser so, denn 20.30Uhr hing der nächste Fisch am Haken der Größe 4. 8,2kg bei einer Länge von 75cm. Nach dem versorgen des Fisches ging es nun doch ins Nest. Um 6.30Uhr wurde ich nun wieder von schrillen Delkim Tönen geweckt. Ein Schuppi hatte versucht, sich einen meiner Boilies einzuverleiben. Mit der rechten Rute in der Hand hatte ich nun wieder einen affengeilen Drill. Sicher im Kescher fiel mir gleich der kleine Kopf auf, der nicht so recht zum Rumpf passte. Dafür hatte dieser



Schuppenkarpfen eine prächtige Färbung. 11,5 kg brachte er auf die Waage bei einer Länge von 82cm. Nach den üblichen Formalitäten ging ich zum Frühstück über. Doch schon 8.50Uhr trällerte der Delkim munter vor sich her. Mit 9,3kg und 78cm lag kurze Zeit später wieder ein Spiegler auf der Matte. Eigentlich wollte ich schon um 12Uhr die Segel streichen; denn ich musste am darauf folgenden Tag auf Arbeit. Aber ich wartete mit dem Einpacken bis zur Dämmerung um vielleicht noch einmal einen großen abfassen zu können. Doch es tat sich nichts mehr. Darüber war ich absolut nicht traurig, denn ich hatte 100% der Bisse, 12 Fische (126,8kg), mit einem Durchschnittsgewicht von 10,56kg landen können. Von diesem Traumergebnis werde ich nun wohl wieder eine Weile zehren dürfen. Dieser Ansitz hat nicht nur mein gesamtes Angeljahr gerettet, sondern auch neue Horizonte geöffnet. Ich möchte auch an dieser Stelle noch mal „danke“ sagen, für die tollen Aufnahmen der beiden benachbarten Karpfenprofis. 

 

Euer Köcki