Lac de Saint Cassien  

1. Ansitz (Winter)

Das Ziel: 

Da der Cassien ein stark überfischter See ist, steckte ich mir kein Ziel sondern wollte ihn erst mal kennen lernen.

Die Anfahrt:

Von Senftenberg aus habe ich immer zwei Wege zur Auswahl um zum Traumgewässer zu gelangen. Der erste über Frankreich (1600km) und den über die Schweiz (1350km). Ich entschied mich für den zweiten, weil er der kürzere ist und auch die Mautgebühren nicht so zu Buche schlagen. Die Idee wurde am 29.12.2003 umgesetzt. Bis Chur (Schweiz) war alles im Lot denn ich kannte die Strecke. Dann aber kam der Horror. Die Anstiege der absolute Wahnsinn bei einsetzenden Schneefall. "Welcher Idiot ist eigentlich auf die Idee gekommen, im Winter, über die Alpen zu wollen?", fragte ich mich als die Schürze meines Van's anfing als Schneeschieber zu fungieren. An einen Stopp an einem der vielen Rastplätze war nicht zu denken. Diese wurden schon lange nicht mehr beräumt und die Schneehöhe lag bei rund 1,5m. Die Bäume drohten unter den extremen Lasten von gefrorenen Eiskristallen zu brechen. Mit Vollgas und einem, Gott sei Dank, voll beladenem Auto kam ich mühsam voran. Aber wie das so ist, wer hoch fährt muss auch wieder runter. "Bloß nicht bremsen", dachte ich mir. Im dritten beziehungsweise zweiten Gang kuddelte ich da nun runter. Ganz allein bei immer noch heftigem Schneefall. Die Situation entschärfte sich erst in Italien. Dort konnte ich meine erste Pause nach der Abfahrt machen. Dann ging es schnell voran. Als ich nach hunderten von Kilometern das Mittelmeer erreicht hatte, kam das nächste Problem auf mich zu. Da man dort von Tunnel zu Tunnel fährt, stellte mich der böige Wind der aus Richtung Meer blies, vor eine harte Probe. Ich musste das Lenkrad schon merklich nach links steuern um den nächsten Tunnel zu erreichen, sonst wäre es in die Planken gedrückt worden. Und es ging weiter, denn nachdem ich die Französische Grenze erreicht hatte kam die Müdigkeit durch. Ich hatte Probleme das Auto überhaupt noch auf meiner Fahrbahn zu halten und das nur 40km bis zum Ziel. Die nächste Ausfahrt zu einem Parkplatz war meine. Ich versuchte mal für einen Moment die Augen zuzumachen. Leider dauerte das nicht lange. Autotür auf und ein kurzer Gang auf dem Parkplatz mussten reichen. Tür zu, Abfahrt und rein in Maut Wahnsinn.

Nach ca. 35km endlich die ersehnte Ausfahrt. Ich wollte nun unbedingt das „Mekka der Karpfen Angler“ sehen. Die letzten 5km schlichen die Augen nur noch am Straßenrand entlang. Wo ist Wasser? Da sah ich das Ende vom Südarm. Ich war nach 16 Stunden ohne Schlaf angekommen.

                        

Die Karte:

Die Seekarte musste her. Ich steuerte sofort Gerald an, der eines der drei am Cassien liegenden Restaurants betreibt. Als ich den Gastraum betrat fielen mir als erstes die übergroßen Fotos von gigantischen Karpfen ins Auge. Ich fing an zu träumen vielleicht auch mal so einen Fisch landen zu können. Als ich nach der Fischereikarte für die letzten zwei Tage im Jahr fragte staunte ich nicht schlecht. Ich sollte den vollen Jahresbetrag bezahlen, erklärte mir die freundliche junge Frau mir gegenüber. Ich wollte das nicht (voll) bezahlen und fragte gleich, wann ich die Karte für 2004 kaufen könnte. Das natürlich in "perfektem Englisch"!? Sie meinte, dass ich die Karte fürs nächste Jahr am 2. Januar bei ihr käuflich erwerben könne. Ich verabschiedete mich höflich. Ich entschloss mich erst mal "ohne" zu fischen.



30.12.2003 - Tag 1:

Mit dem Auto erkundete ich erst mal den See, um eine geeignete Stelle zu finden um das Boot unbeschadet ins Wasser zu bekommen.
Diese fand ich noch vor der Brücke. Ich konnte direkt bis runter ans Wasser. Das Entladen verlief flüssig, der Bootsaufbau und das Beladen des selbigen schon nicht mehr so schnell. Ich musste nun immer wieder kleinere Pausen einlegen. Die Müdigkeit. Ich brachte mein Auto auf einen benachbarten Parkplatz und war nun startklar. Rein ins große Schlauchboot (Profi 2) und das kleine (Bombard AX Mini) im Schlepp, der Kurs "Kevin Ellis". Dort kam ich nach kurzer Zeit an und begann umgehend mit dem Aufbau. Der war so mühsam, da ich mit meinen Kräften (durch Schlafentzug) am Ende war. Das Loten und ausbringen der 4 Ruten geschah daraufhin nur noch mit einem Auge. Da mir zwei Angler direkt gegenüber saßen, wollte ich natürlich wissen wer meine Nachbarn sind. Es waren Franzosen, die wie ich auf den großen Fang hofften. Ich fuhr wieder zurück auf meine Seite. Als dann mein rechtes Ohr die JRC Liege berührte muss ich sofort eingeschlafen sein.


31.12.2003 Silvester - Tag 2:

Die Augen öffneten sich erst wieder am nächsten Morgen. Noch wie geplättet, trabte ich vor das Zelt um die Außentemperatur abzulesen.


Sie betrug -4°C. Der Frühnebel lag auf dem Wasser, die Sonne kämpfte sich allmählich auf die Bergkuppe und ich ließ meine Blicke umher schweifen. Einfach geil an "dem" Gewässer diesen Sonnenaufgang erleben zu können. An diesem Tag tat sich nichts an meinen Ruten.


Nach einem Kaffee und einem kleinen Frühstück fuhr ich rüber zu meinen Nachbarn. Der französischen Sprache bin ich nicht mächtig, aber trotzdem haben wir viel gelacht. Vor allem konnten sie kein Wort englisch. Mit Händen und Füßen ging es aber erstaunlich gut.


Da ich eine Flasche Champus mithatte, lud ich die beiden ein um sie zu Silvester gemeinsam zu trinken. Ich bin dann zu mir rüber und machte meine Ruten neu.
Die Sonne verschwand bei Zeiten und ich im Sack, um mein Schlafdefizid nachzuholen. 23.30Uhr weckte mich mein Handy. Mit der Flasche bewaffnet, stand ich 20 Minuten später bei den beiden vor ihrem Zelt und wunderte mich nicht schlecht als ich die vielen, leeren Rotweinflaschen sah. Der erste Versuch die beiden zu wecken misslang. Eine Zigarette angezündet und der zweite brachte den gewünschten Erfolg. Doch sie waren schon stark vom Wein gezeichnet. Flasche auf und Prost!

01.01.2004 Neujahr Tag 3:

Wir drei schauten nach nur 5 Minuten auf den leeren Flaschenboden. Ich fuhr zu mir und legte mich sofort hin. Kurz vor 9 Uhr wurde ich wach. Wie am Vortag wollte ich die Außentemperatur ablesen.


Geil, wieder -4°C und Nebelschwaden auf dem Wasser. Auch Die Sonne kam gerade hoch. Als mein Blick aber in Richtung Franzosen ging, stutzte ich. Beide vorm Zelt. Der eine mit einer Rute in der Hand und in der anderen den Kescher. In meinem Kopf klingelten die Alarmglocken, "Karpfen"! Mit Fotoapparat und Handy bewaffnet setzte ich mit meinem Schlauchboot-Profi 2 über.

Ich kam gerade richtig um beim Wiegen dabei zu sein. Die Nadel hielt bei 21kg!


So einen Fisch hatte ich zuvor noch nicht in Natura gesehen, geschweige denn selber gefangen.


Dem Fänger gratulierte ich zu diesem Fang und dachte mir so, "Dein Jahr fängt ja gut an". Mich interessierte welchen Köder er ihm angeboten hatte.


Er zeigte mir darauf hin einen Eimer mit Tigernüssen. In diesem wühlte er solange herum bis er ein besonders längliches Teil gefunden hatte. Das war also der Topköder in diesem Fall.


Die Fotosession war der Hammer. Das Licht der Sonne war wie bestellt dafür. Der Fänger machte mir klar, dass er gerne mit diesem Bild im Katalog der Firma UCP erscheinen wolle. Ich fuhr zurück und freute mich einen solchen, meinen ersten Karpfen, am Cassien gesehen zu haben. Meine Ruten wurden neu bestückt und ausgelegt. Ich ging mit einem guten Gefühl zu Bett.


02.01.2004 Tag 4:

Leider wurde ich nicht durch meine Delkims wach. Nach dem Frühstück nahm ich die teuersten Sachen ins Boot, die Ruten raus und fuhr mal schnell zu den Franzosen rüber. Ich machte ihnen klar das sie mal bitte einen Blick für meine Angelausrüstung übrig haben sollten. Im Anschluß fuhr ich in den Südarm des Cassiens, um mir endlich die Seekarte zu kaufen. Das war schon ein Kanten bis zu Gerard.


Dort angekommen konnte ich gleich mal die berühmt berüchtigte Zufahrt zum Einsetzen der Boote begutachten. Der Weg geht nicht steil nach oben und sieht normal aus. Aber wenn nur ein bisschen Feuchtigkeit den Boden berührt kommt man ohne fremde Hilfe nicht mehr hoch. Gott sei Dank hatte ich meine Ausrüstung nicht dort zu Wasser gelassen. Ich kaufte, bei Gerard, eine Karte für die Seen in Südfrankreich und die des Cassiens. Wenn ich mich recht entsinne musste ich um die 70€ bezahlen. Die Südfrankreich Karte (Fischereiabgabe;32€) hat eine Gültigkeit von 5 Jahren.


Sie berechtigt zum Fischen in Gewässern die hinten auf dieser Karte aufgeführt sind.


Nun auch offiziell am Cassien angekommen, erkundete ich auf meiner Rückfahrt den Südarm. Es gibt dort einige geile Stellen. Manche sind aber nur bei niedrigem Wasser zu befischen.


Dann heben sich mehrere kleine Inseln aus dem Wasser.


Ich bog dann wieder ins Zentrum des Sees.


Am Wahrzeichen des Cassiens, der Brücke, konnte ich viele Karpfenangler ausmachen.


Weiter ging es und ich steuerte sofort die beiden auf der gegenüberliegenden Seite an. Kaum angelegt, hörten wir Schüsse die oberhalb von Kevin Ellis kamen. Der glückliche Fänger meinte, dass diese von Jägern stammen, die auf Schweinejagd sind. Dann machte er mich darauf aufmerksam, dass sie Morgen gegen mittag einpacken wollten. Kurzentschlossen meinet ich, das ich mich dann auf diese Stelle setzen würde.


Nach zwei Minuten war ich wieder auf Kevin Ellis und schaute mein Karpfenausrüstung durch. Alles war so wie ich es verlassen hatte. Auf einmal wieder ein Schuss. Der war mittlerweile so laut, dass ich dache ich werde jetzt aus nächster Nähe beschossen. Das war mir nicht ganz geheuer und ich schaute den Hügel hinauf. Das Hundegebell war deutlich zu hören. Bloß gut, dass die Jäger nach cirka 5 Minuten die Richtung änderten. Ich begann zum letzten mal auf dieser Stelle, meine Ruten ordnungsgemäß zu verteilen. Es wurde wieder bei Zeiten dunkel. Meine Gedanken waren nur, rein ins Titan, Reißverschluss zu, Heizung an und schlafen.


03.01.2004 Tag 5:


Es geht bald weiter. Bitte um Geduld.